Stunde Null

Stell Dir vor, Du hast ein Ziel. Und Du verfolgst dieses Ziel sieben Jahre lang mit allen Konsequenzen. Du investierst Zeit, Energie, Kraft. Du hast Spaß, ja, aber du steckst auch zurück, verzichtest, findest Kompromisse. Sieben Jahre lang.

“Sieben Jahre,” wird manch eine jetzt vielleicht sagen, “was sind sieben Jahre?”

Für einen 14jährigen sind sieben Jahre die Hälfte seines Lebens. Und genau so lange hat mein 14jähriger davon geträumt, Basketball in der Bundesliga zu spielen.

Grenzenlos die Freude, als die Mannschaft es zu Beginn dieses Sommers tatsächlich in die Jugend-Bundesliga geschafft hat.

Saisonbeginn im Oktober.

Das Ziel schien erreicht und war doch so ganz anders als er sich das gedacht hatte. Und deshalb hat der Sohn vergangene Woche die Reißleine gezogen. Er hat dem Trainer geschrieben und um Erlaubnis zum Vereinswechsel gebeten. Mit 14.

Schluß, bevor es angefangen hat. Gründe dafür gibt es viele, der Wesentlichste vielleicht, dass er kurz davor war, die Lust am Lieblingssport zu verlieren.

All das beschäftigt uns momentan enorm. Diese letzte Saison mit ihren Reisen, Turnieren, Medaillen, Erfahrungen war unglaublich. Aber immer wieder auch unglaublich hart. Der Druck, die Konkurrenz, der Zeitaufwand. Und auch wenn ich unverändert überzeugt bin, dass es richtig war ihn in all dem zu unterstützen, hätte ich ihm die letzten Monate gerne erspart. Aber das ist nun müßig.

Nach der Entscheidung und der darauf folgenden Freigabe durch den Verein ist er um halb acht ins Bett gegangen – freiwillig und trotz Ferien – um bis Mittag des nächsten Tages zu schlafen.

Ab jetzt wird alles anders.

Stunde Null.

 

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Kathi

Wie furchbar bitter, so ein geplatzter Riesentraum und was für eine mutige Entscheidung, wow. Ich hoffe nur, ihr könnt jetzt alle ein bißchen durchatmen und euch erholen. Ganz liebe Grüße nach Berlin!

Ute

Ich finde das großartig. Und ebenso großartig finde ich, dass er Eltern hat, die bei jeder seiner Entscheidungen hinter ihm stehen. Es ist schon bedenklich, welches Pensum Kindern heute schon im frühen Alter zugemutet wird, wenn sie Sport ernsthafter betreiben wollen. Da bleibt neben der Schule ja überhaupt keine Freizeit mehr. Ich wünsche Deinem Sohn, dass er mit etwas Abstand wieder Spaß an seinem Sport findet, das sollte immerhin die Hauptsache sein.

Pia

Wow. ich schließe mich Noras Kommentar an. Dein Großer ist mit seinen 14 ein ganz großer! Hut ab, ich bin sehr beeindruckt. Alles wird besser, perfekt, gut -davon bin ich überzeugt. Fühlt Euch gedrückt.:-*

Sandra

Wir haben ja hier auch so einen Leistungssportler (Handball), der seit der ersten Klasse nur ein Ziel hat. Übermorgen wird er 18, und ich weiß ganz genau, was Du meinst. Es ist so unglaublich hart und entbehrungsreich und fordert ganz nebenbei die gesamte Familie. 5 mal die Woche ist er 4-5 Stunden für den Sport unterwegs, am Wochenende „nur“ Krafttraining und Spiele. Nach einigen Brüchen musste er sich schon wieder rankämpfen, Ein Hut ab vor Jedem, der sich dafür entscheidet. Und genauso für jeden, der merkt, dass es ihm zu viel wird und er den Spass verliert. Unser Sohn hat… Weiterlesen »

Minette von Riedesel

Wow, unglaublich. Und bestimmt richtig, wenn es sich richtig anfühlt!

Nora

Wow, ich musste gerade kurz schlucken, als ich deine Zeilen gelesen haben. Die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, wenn eine Situation nicht mehr passt, fällt zumindest mir immer schwer, weil ich ein Gewohnheitstier bin und Veränderungen nicht mag. Und ohne die genauen Hintergründe zu kennen: Großen Respekt für deinen Sohn! Alles richtig gemacht. Und du kannst sehr stolz auf ihn sein. Auf euren neuen Anfang!

Karin Werlein

Ich muß auch sagen, meinen großen Respekt!